Schattenblüte – Die Verborgenen von Nora Melling

Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die «Verborgenen» können ihre Gestalt ändern: Sie sind Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. Für ihre große Liebe würde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Ich muss zugeben, wenn mich das Cover nicht so fasziniert hätte, hätte ich dieses Buch wahrscheinlich gar nicht gelesen – was sehr schade gewesen wäre. Die Leseprobe hatte mir vom Schreibstil her nämlich nicht so gut gefallen. Immer nur kurze, einfache Sätze, die mir das Gefühl gaben, durch die Geschichte gehetzt zu werden. Nach einigen Seiten konnte ich mich jedoch damit arrangieren, und als dann auch noch einige sehr schöne Sätze, Metaphern und Wortschöpfungen auftauchten, konnte ich vorbehaltlos in die Story eintauchen. Dass der Handlungsort Deutschland ist und dann auch noch eine bekannte Gegend, war sicherlich auch sehr hilfreich, irgendwie fühlt man sich als Leser damit noch ein bisschen mehr verbunden.

Wer hier einen Werwolfroman im klassischen Sinne erwartet, könnte allerdings enttäuscht werden. Hier geht es mehr um die Gefühlswelt von Jugendlichen, als um reißerische, blutrünstige Bestien.
Das Aufzeigen, der vielen unterschiedlichen Weisen, wie mit Trauer, Verlust, Kränkungen, Demütigungen und Liebe umgegangen werden kann, hat mir gut gefallen. Eben nicht nur schwarz-weiß. Hier werden auch die vielen Graustufen dazwischen deutlich gemacht. Nora Melling geht äußerst sensibel und verantwortungsvoll mit den vielen schwierigen Themen um, regt zum Nachdenken an ohne mit erhobenem Zeigefinger zu wedeln oder gar Patentlösungen anzubieten.
Das Agieren der Protagonisten lässt einen zwischenzeitlich zwar augenrollend zurück und man verspürt den Drang sie kräftig zu schütteln, jedoch ist das auch genau das, was die Geschichte sehr authentisch wirken lässt. Gefühle sind nun mal nicht einfach oder einschätzbar.

Von mir gibt es 8 von 10 Punkten.

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